Das Jahr hat gerade erst begonnen, und trotzdem hast du schon dieses ungute Gefühl: Reicht das, was ich mit meiner Buchhaltung mache? Übersehe ich etwas Wichtiges? Dabei möchtest du einfach nur alles richtig machen. Gerade zu Beginn der Selbstständigkeit kann das Thema Buchhaltung sehr überwältigend sein. Hinzu kommt das Gefühl, alles auf einmal machen zu müssen. Wie viel Buchhaltung ist also am Anfang genug? Und was darf warten?
Viele Solo-Selbstständige arbeiten nicht im Chaos, sondern in Unsicherheit. Sie kümmern sich, aber ohne einen klaren Maßstab dafür, was eigentlich genug ist. In diesem Artikel findest du genau diese Orientierung: Du erfährst, was für den Anfang wirklich wichtig ist und was du guten Gewissens noch liegen lassen darfst.
Eine neue Definition von „genug“
Sehr oft lese ich Artikel wie „So machst du Buchhaltung richtig” oder „Mach das, damit deine Buchhaltung läuft”. Dahinter stecken teilweise durchaus sinnvolle Tipps, aber keiner sagt dir, ob sie zu deinem aktuellen Stand der Buchhaltung passen. Denn da gibt es durchaus Unterschiede, je nachdem, in welcher Phase du mit deinem Business gerade stehst.
Was dir auch niemand sagt: Buchhaltung ist ein fortlaufender Prozess. Es gibt somit kein „fertig” im eigentlichen Sinn. Sie ist ein zyklisch wiederkehrender Teil deines Unternehmens, der immer nur für den Moment erledigt ist. Doch mit jedem neuen Monat, Quartal oder Jahr steht sie erneut an. Darum ist es wichtig zu wissen, was für deine Business-Phase „genug” ist. Denn jedes „Zu viel“ kostet dich unnötig Zeit und Nerven, die du an anderer Stelle in deinem Unternehmen gewinnbringender einsetzen kannst. Genau deshalb brauchst du keinen perfekten Zustand, sondern einen passenden.
Zu Beginn deiner Selbstständigkeit, in der Gründungsphase und in den ersten Jahren als Unternehmerin darf deine Buchhaltung auch klein anfangen. Mit der Zeit wächst du nicht nur in deine neue Rolle hinein, sondern auch deine Buchhaltung wächst mit dir. Die Frage, wie viel Buchhaltung genug ist, richtet sich also sehr stark nach dem Stand deines Unternehmens.
„Genug” bedeutet in diesem Fall, dass du alle deine Pflichten so erfüllst, dass dir später nichts auf die Füße fällt. Es muss nicht schön aussehen, automatisiert sein oder mit schicken Tools arbeiten.
4 Fragen für den Stand deiner Buchhaltung
Mit den folgenden Fragen kannst du deinen aktuellen Status quo in Bezug auf deine Buchhaltung selbst einschätzen. So bekommst du einen guten Überblick darüber, was wirklich wichtig ist und warum. Alles andere kann warten.
1. Weiß ich bei meinen Rechnungen grundsätzlich, ob Umsatzsteuer drauf muss – oder ein Hinweis, warum nicht?
Es geht nicht darum, dass du jede Sonderregel kennen musst. Es geht darum, dass du nicht im Blindflug unterwegs bist. Gerade die Umsatzsteuer kann schnell sehr teuer werden. Es kommt darauf an, zu wissen, was für dich und dein Business relevant ist. Wenn du bei einer Rechnung also weißt: „Das ist steuerpflichtig.” oder „Hier gilt eine Ausnahme, die ich berücksichtigt habe.”, dann bist du für den Anfang gut aufgestellt.
Wenn du jetzt eher das Gefühl hast, häufig zu zögern, ob etwas passt oder nicht, dann fehlt dir vermutlich kein Wissen, sondern ein klarer Entscheidungsrahmen. Diesen werde ich demnächst in einem Artikel zur „Kleinunternehmer-Regelung” aufgreifen. Für den Moment reicht es jedoch, nicht völlig im Dunkeln zu tappen.
2. Könnte ich meine Einnahmen und Ausgaben der letzten Monate grundsätzlich nachvollziehbar erklären?
Es geht nicht um perfekte Kategorien oder Auswertungen. Sondern um echte Nachvollziehbarkeit. Wenn du weißt, woher dein Geld kommt und wofür du es ausgibst und nichts einfach verschwindet, dann erfüllt deine Buchhaltung ihre Kernaufgabe. Unordnung ist nicht gefährlich, sie erschwert dir nur den Überblick. Unklarheit ist es dafür umso mehr!
Das Finanzamt verlangt keine perfekte Buchhaltung. Es kommt auf Vollständigkeit an und darauf, dass du es nicht nur dir selbst, sondern auch einer anderen Person nachvollziehbar erklären kannst.
3. Weiß ich bei meinen Ausgaben, was betrieblich ist, und was privat?
Am Anfang brauchst du keine perfekte Ablagestruktur oder ein digitales Hochglanz-Archiv. Wichtiger ist, dass du eine klare innere Trennung im Kopf hast. Wenn du weißt, was betrieblich ist und was privat, fällt dir auch die äußere Ordnung leichter. Nicht umgekehrt. Betriebliche Ausgaben benötigen immer einen Beleg (in der Regel eine Rechnung) als Nachweis. Solange du diesen jederzeit wiederfindest, ist für den Moment alles gut.
4. Weiß ich, welche steuerlichen Fristen für mich relevant sind, oder hoffe ich, dass schon nichts passiert?
Du musst die Fristen nicht auswendig kennen. Du solltest aber wissen, dass es sie gibt und welche dich betreffen. Denn Fristen werden nicht durch Unwissenheit gefährlich, sondern durch Verdrängung. Wenn sie für dich ein blinder Fleck sind, entsteht Stress nicht durch die Buchhaltung selbst, sondern durch das Gefühl von Kontrollverlust. Solange du also grundsätzlich weißt, welche Fristen dich betreffen, und dich nicht auf das Prinzip Hoffnung oder den Zufall verlässt, bist du für den Moment gut aufgestellt.
Wie viel Buchhaltung am Anfang?
Wenn du diese Fragen überwiegend mit „Ja” beantworten kannst, ist deine Buchhaltung aktuell ausreichend. Für den Moment braucht es nicht mehr. Deine Buchhaltung ist vielleicht nicht perfekt und noch nicht abgeschlossen, aber sie ist nicht fahrlässig.
Du wünschst dir weitere Orientierung und einen sinnvollen Startpunkt für dein Buchhaltungsfundament? Dann empfehle ich dir meinen „Buchhaltungs-Kompass” – für 0 €! Einfach hier klicken! Darin erhältst du einen 5-Schritte-Fahrplan für eine entspannte Buchhaltung, die zu dir und deinem Business passt.
Das darf für den Moment noch warten
Für ein stabiles Fundament braucht es zu Beginn nicht mehr. Alles, was darüber hinausgeht – wie perfekte Kategorien, eine monatliche Detailanalyse oder komplexe Rücklagenmodelle – ist Optimierung. Und dafür braucht es Zeit, Ruhe und oft auch Begleitung. Sie ist jedoch kein Maßstab für Professionalität. Denn Professionalität entsteht durch Klarheit im Inneren, die wiederum zu Struktur und Ordnung im Außen führt.
Ständig Tools zu wechseln, ohne Struktur zu schaffen, sich an fremden Standards zu messen, die nicht zum eigenen Business passen, oder YouTube-Wissen ohne Kontext zu verwenden, bringt dir keine Sicherheit. Solche Dinge verstärken nur dein Chaos und erhöhen deinen inneren Druck unnötig.
Fazit
Deine Buchhaltung darf genauso klein anfangen wie dein Business. Sie muss nicht von Anfang an perfekt sein, sondern sollte zur aktuellen Phase deines Unternehmens passen. Wenn du deine Pflichten erfüllst und den Überblick hast, handelst du nicht fahrlässig, sondern verantwortungsvoll. Du legst den Grundstein für ein stabiles Fundament. Alles, was darüber hinausgeht, darf in deinem Tempo wachsen.
Jetzt bist du dran: Welche der vier Fragen hat dir am meisten Ruhe gegeben? Schreib es mir in die Kommentare und lass uns gemeinsam das Thema Buchhaltung entspannter angehen!


